Der Kongress in Bewegung

Kongresse sollen Schwerpunktthemen haben, damit BesucherInnen sich nicht so verloren vorkommen, und sie einen Grund haben, genau auf diese Fortbildung zu gehen. Schwerpunkte haben die Aufgabe eines Ankers, an dem wir Fortzubildenden festmachen können mit unserer Suche nach Wissen. Meist sind die Vorträge schon vorher initiiert und kursiert, es findet sich stets eine Querverbindung zum entsprechenden Schwerpunktthema.

          Dieses Jahr nun also „Bewegung“, neben „Genetik – Diagnostik und Therapie“, „Inflammation“, „Digitaler Wandel“ und – klar – Corona als „Hot Topic“ (das neue „Schwerpunkt“, Anm. d. Übersetzers). Gerade letzteres lässt sich allem subsumieren, das wird bestimmt in diesen drei Tagungstagen auch passieren, COVID19 bleibt das bestimmende Zeitthema.

          „Neben einer Vielzahl von Krankheiten, die sich auf die muskuloskelettale Bewegung auswirken, werden wir neurologische Bewegungsstörungen, Probleme der gastrointestinalen „Bewegung“, Harntransport-Störungen sowie Auffälligkeiten myokardialer Bewegung etc. betrachten . Die Rolle des Sports für  Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen wollen wir aus der Sicht verschiedener Fachdisziplinen genauso betrachten wie den Leistungssport.“ So der offizielle Text des Kongresses.

          Bewegung und Corona – wer nicht, wenn nicht wir niedergelassene Kinder- und JugendärztInnen können einen Lied davon singen, was fehlende Bewegung, die zudem noch indirekt verordnet wurde, für die Entwicklung von Kindern ausmacht. Natürlich sehen wir Perzentilenkurven, die nach oben ausbrechen, das gibt es auch ohne Pandemie. Aber 2020 und 2021 gelang das beinahe jedem Kind. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss alleine der fehlende Schulweg auf die Körperentwicklung der Schüler hat. Dazu kein Vereinssport. Dazu kein Schwimmbad. Dazu ängstliche Familien, die sich nicht einmal mehr trauen, am Wochenende durch den Wald zu gehen, geschweige denn Fahrrad zu fahren. Doch doch, diese Sorgen hört der niedergelassene Kinderarzt. Der kleinste Anreiz zum Kalorienverbrennen fiel weg, und die stimmungsfördernde Auslastung des kindlichen Körpers durch Bewegung drückte zudem auf das Gemüt. Nicht umsonst ist die erste therapeutische Einheit bei Depressionen der Hinweis auf sportliche Betätigung.

          Der Donnerstag steht daher die Agenda auf Bewegung. Der Kongress bietet uns einige Vorträge, Workshops und Posters/Abstracts mit diesem Schwerpunkt an. In der Plenarsitzung vor der Mittagspause wurde das Thema geteast, nachdem die feierliche Eröffnung über die Bühne ging. Passend zur „Bewegung“ sahen wir akrobatische Vorführungen am Tuch und mit dem – Achtung – skipping rope, also Springseil.

Kongressvorsitzende Professor Girschik und Frau Dr. Dreesmann sprachen die einführenden Worte, bevor Petra Behle (Biathletin und Olympiasiegerin 1998 in Nagano) den Gastvortrag zum Thema Bewegung hielt, sie schlug den Bogen ihres eigenen Erlebens im Sport hin zu ihrer Arbeit als Schirmherrin der „Tour der Hoffnung“, einer alljährlichen Radtour durch deutsche Lande, als Benefizveranstaltungen für krebs- und leukämiekranke Kinder und den onkologischen Stationen in den Kinderkliniken.

Wir finden  bereits am ersten Tag in „Alpha 3“ ein interdisziplinäres Forum über das „Aufwachsen im Jetzt und Hier“, es geht um beschleunigte Lebenswelten, später dann „Schlaf und Bewegung“. Oder wir widmen uns der „Psychosomatik und Bewegung“ (Alpha 1), am Nachmittag einem Workshop „Bewegungsstörungen im Kindes- und Jugendalter“.        

Also denn – ich habe das Gefühl, mich an diesen drei Tagen sehr viel zu bewegen, wenn ich alles Interessante mitnehmen will.

Wir bleiben dran. Viel Spaß!

by kinderdok