Hottopic SARS Cov2

Selbstverständlich wird sich ein Kongress, der erstmalig nach, eigentlich noch während einer Pandemie stattfindet, und dann auch noch als Hybride stattfindet, mit der Ursache der Pandemie beschäftigen: Corona, SARS-CoV-2. Das Thema durchschwebt das Kongressprogramm wie kein anderes, nicht nur dank der notwendigen Hygienemaßnahmen und dem Zwitter aus Online-Live- und Präsenzveranstaltungen.

Bereits am Donnerstag fragten wir aus sozialpädiatrischer Sicht, was die Pandemie mit unseren Kindern und Jugendlichen macht, dabei wird nicht nur über die Impfung als Lösungsweg berichtet, sondern auch über den allpräsenten Medienkonsum dank Homeschoolings. Auch postinfektiöse Fatigue ist hier ein Thema.

Am heutigen Freitag gab es zudem ein komplettes Vormittagskolloquium als „Hot Topic“ zum Thema. Im Hauptsaal Alpha 8 saßen die Professores Girschik und Berner als Chairmen vor, um gemeinsam mit Martin Terhardt (STIKO) in einem interdisziplinären Setting das Thema zu diskutieren.

Das große DGPI-Survey (1/2020 bis to date) wurde vorgestellt (z.B. erhobene insgesamt 13 Gesamttodesfälle unter Corona, Risikofaktoren: Ältere Kinder, Trisomie-Kinder und chronische Lungenerkrankte), Professor Berner präsentierte Daten auch zum PIMS und Long-Covid. Sehr spannend: Die Initiierung des Nationalen Pandemie Kohorten Netzes NAPKON für weitere Forschungen.

Martin Terhardt als Vertreter der Ständigen Impfkommission illustrierte noch einmal die Geschichte der Empfehlungen zur Corona-Impfung bei Jugendlichen und ging vor allem auf die Schwierigkeiten ein, die zu dieser Entscheidung führte. Er weist darauf hin, dass gerade adipöse Jugendliche noch nicht ausreichend erreicht wurden für eine Impfung, obwohl das Übergewicht ein hohes Risiko eines schweren Verlaufes einer Covid-Infektion mit sich bringt. Die Gesamtimpfquote für Jugendliche liegt bei 36% für die vollständige Impfung.

Die STIKO wird erst ab November über die Impfung für Kinder zwischen 5-11 Jahren beraten, unter diesem Alter sicher erst zum neuen Jahr.

In einem dritten Vortrag wird Uta Behrends auf München live zugeschaltet, die in einer Ambulanz zur Fatigue nach COVID– und EBV-Erkrankungen forscht. ME/CFS (Myalgische Encephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom G93.3) gilt inzwischen als Variante des Long-COVID-Syndroms und tritt auch nach anderen Viruserkrankungen auf. „In Folge der SARS-CoV-2-Pandemie wird eine Verdoppelung der Fallzahlen von ME/CFS befürchtet mit geschätzt 10 Millionen neuen Fällen.“

Wie geht es am Nachmittag und Samstag weiter? Martin Terhardt berichtet auf einem gesonderten Impfsymposium am Freitag nachmittag auch über die Konzepte bei der COVID-Impfung, im Anschluss wird Professorin Cornelia Betsch aus Frankfurt der Akzeptanz von Impfungen, gerade in Bezug auf diese aktuelle Impfstrategie nachgehen.

Aber es gibt auch kleinere Vorträge, präsentiert in Posters und Abstracts. Man kann diese recht bequem über die Suchfunktion des Online- oder App-Programms finden. Eine Abstractsitzung des DGKJ, ebenfalls am Freitag, widmet sich ganz alleine dem Thema COVID, neun Einzelvorträge à 10 Minuten und Diskussion reflektieren Aspekte von Herzerkrankungen über Vertikaltransmission am Beispiel von Drillingen und wieder: Long-Covid, diesmal ein Bericht aus einer Spezialambulanz in Jena.

Der Samstag schließlich diskutiert das Plenum die Pandemie in Bezug auf das Management in Kitas und Schulen. Professor Liese und Dötsch führen durch das Symposium, das mit einer Podiumsdiskussion beendet wird. Gespannt dürfen wir sein, wie dieses Thema aus MedizinerInnensicht besprochen wird. War noch am Anfang der Pandemie schließlich die vorherrschende Meinung, Kinder und Jugendliche seien nicht sonderlich erkrankt, mehren sich doch die Sorgen vieler Eltern um Long-Covid-Erkrankungen oder multiinflammatorische Komplikationen.

Wird das Corona-Management in Deutschland am Ende die Kinder und Jugendliche als Verlierer erkennen? So mussten sie früh in Lockdowns in Kitas und Schulen, während viele Arbeitsplätze noch frei zugänglich waren und kaum Homeoffice gelebt wurde. Dann gab es Impfungen für alle, jedoch nicht für die Minderjährigen. Wieder haben die Eltern Angst um ihre Kinder. Ein schwieriges Dilemma der Balance aus Schutz vor der Infektion und Schutz vor Komplikationen einer Impfung. Das vorsichtige Handeln der Zulassungsgremien und der STIKO ist wissenschaftlich korrekt, aber besorgten Eltern medial schwer vermittelbar. Die aktuelle Diskussion über „Masken Auf“ oder „Masken Runter“ in den Schulen schürt den Disput erneut.

Der diesjährige Kongress konnte wieder viele Facetten zur Diskussion beitragen. Wir bleiben dran. Mit Spannung.

by kinderdok