Jungensprechstunde – let´s workshop

In vielen Kongressen der Medizin steht das Konzept der „Workshops“ im Vordergrund, so auch beim Kongress der Kinder- und Jugendmedizin. Insgesamt werden 28 Stück angeboten, da fällt die Auswahl schwer, teils waren sie bereits im August ausgebucht, da begrenzte Teilnehmerzahl. Die Workshops werden in Horizontalslots angeboten, was nichts anderes bedeutet, als dass sie gleichzeitig stattfinden. Soweit, so kompliziert.

Ich habe mich bei Essentiellem für den niedergelassenen Kinderarzt angemeldet, zum einen das Thema „Jungensprechstunde“, zum anderen zum Thema „Interaktions- und Regulationsstörungen beim Säugling“. Workshops haben immer den Seminarcharakter aus der Universität, man kann sich nicht so gut in der Anonymität des Plenums verstecken, weder die ZuhörerInnen noch die DozentInnen. Die Themen werden gerne intensiver, weil selektiver, behandelt, das Skript der Vortragenden meist schnell verlassen, Diskussionen machen Freude.

In der „Jungensprechstunde“ treffe ich auf Bernhard Stier, dem erklärten Experten für die Jungen im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ. Sein Buch zu diesem Thema hat uns allen den Zugang erleichtert, vor allem, wenn es um die pubertierende Spezies geht, des gleichen publizierte er mit Nikolaus Weissenrieder (seinem Pedant im Geiste in der pädiatrischen Gynäkologie) ein sehr gutes Buch über die – Achtung – Jugendmedizin, in dem die Geschlechter vereinigt werden.

Das Seminar möchte „Wissen und Expertise“ vermitteln, um letztendlich den Umgang mit den Jungen in der alltäglichen Praxis zu optimieren. Wie in diesem Format üblich, sollen Erfahrungen aus und mit dem eigenen Patientenklientel eingebracht werden, man lernt besser durch Fallbeispiele. Wir sehen viele Bilder – ja, genau solche – und erfahren vieles über das Frenulum breve, Peniskurvaturen, 20% Varikozelen bei Männern, Lichen sklerosus oder dem lukrativen Handel von Fibroblastenkulturen aus entfernten Vorhäuten.

Bernhard Stier führt den Workshop im Tandem mit dem Urologen Bühmann, der dafür plädiert, mehr Jungensprechstunden anzubieten, diese ernst zu nehmen und in die Sprechstunden zu lenken. Vieles ist Beratung und Abklärung, immer geht es um die Beruhigung des Jugendlichen, dass „da unten alles normal ist“. Kollege Bühmann berichtet schließlich noch über die HPV-Impfung, ja klar, auch für Jungen, das wissen wir. „Die Impfempfehlung nur für Mädchen 2007 durch die STIKO war Schwachsinn, denn sexuell übertragbare Erkrankungen sind sexuell übertragbar“. In der abschließenden Fragerunde enden wir erwartbar bei der Diskussion, ob kulturelle Zirkumzisionen nun grundsätzlich verboten sind, oder ob wir Eltern zumindest einen fachlich „sauberen“ Zugang bieten können.

Bernhard Stier übernimmt im weiteren Verlauf des Tages auch den Vorsitz im Plenum, in „Beta 1+2“ findet dann ein Update der Jungenmedizin statt, Dr. Bühmann erzählt dann allgemein zur Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen im Jungenalter (und Jugendalter), hinzu kommt als Psychotheraepeut Manfred Endres, der uns noch etwas zu „Klippen in der psychosozialen Entwicklung“ der Jungen erzählen wird.

Spannende Themen, die das Tandem aus Workshops und offenen Vorträgen illustriert, beides hat seine Berichtigung und Vorteile, solange sich das System hier ergänzt.

Wir bleiben dran. Viel Spaß.

by kinderdok