Klimawandel trifft auf Pädiatrie

Ich finde es erstaunlich, aber toll, dass sich der diesjährige Kongress der Kinder- und Jugendmedizin auch dem Thema Klimawandel widmet. Geht es hier nur darum, am Puls der Zeit zu sein, zwanghaft Themen zu generieren, die aktuell sind oder mit denen die Veranstalter demonstrieren wollen, dass sie auch die Jugend im Blick haben? Aber nein, es gibt schließlich zwei Wochen nach der Bundestagswahl kein Symposium „Gesundheitspolitik nach der Wahl“ oder „Vor welcher Herausforderung steht ein neuer Gesundheitsminister“. Es ist gut, dass sich der Kongress, vermeintlich eine Versammlung von studierten alten Männern und Frauen, des Themas annimmt: Der Klimawandel ist eben nichts, was nur die Jugend angeht, sondern alle, und zweifellos wird der Klimawandel auch Einfluss nehmen auf medizinische Fragestellungen. Wieso? Weil der Klimawandel auf alles Einfluss nimmt.

Was bot das Kongressprogramm an als Symposien zum Topic Klima?

Dr. Thomas Lob-Corzilius von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Umweltmedizin wagte im Symposium „Klimawandel trifft auf Pädiatrie“ (Donnerstag 8:30 Uhr) die große Frage, was Kinder- und Jugendärzte tatsächlich über den Klimawandel wissen und wissen sollten, und sieht eine „Verantwortung des Kinderarztes für die nächste Generation“. Und auch die psychischen Einflüsse von „Starkwetterereignissen“, in Deutschland jüngst die Hochwasserkatastrophe wurde thematisiert bezüglich eines diagnostizierten Posttraumatischen Stresssyndroms bei Kinder, das Outcome für betroffene Familien ist erschreckend.

Der erste Reflex ist Erderwärmung, die Konsequenz mehr Sonneneinstrahlung, körperlich vermutlich dermatologisch relevant, wie das auf der südlichen Halbkugel bereits Realität ist. Das Symposium „Klimaveränderungen und Hautgesundheit“ am Freitag um 8:00 Uhr, erneut unter Vorsitz von Professor Girschick widmete sich den Allergien und Parasitenerkrankungen unter dem Klimawandel, eine Podiumsdiskussion ging über diese hinaus und beleuchtete weitere Aspekte, die unser Leben als MedizinerInnen in der Zukunft bestimmen werden:

Dass das Thema Klimawandel längst in der Medizin angekommen ist, zeigt die Gründung der „Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (KLUG) von 2017, an der auch der Deutsche Allergie-und Asthmabund beteiligt ist, wie auch die Gesellschaft der pädiatrischen Allergologen.  Die KLUG fordert bis 2035 auch in der Gesundheitsbranche klimaneutral zu arbeiten, eine aktuelle Initiative subsumiert Gesundheitseinrichtungen, die z.B. ihre eigenen Einrichtungen auf Strom und Wärme aus regenerativ erzeugten Energien umstellen wollen, ihre PatientInnen unterstützen, sich vor den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu schützen und die klimaneutrale Gesundheitsversorgung gesetzlich zu verankern.

Wir kommen an den Veränderungen nicht vorbei, und als MedizinerInnen dürfen wir uns nicht den Folgen für unsere Arbeit verschließen – so, wie die hiesigen Seminare und Vorträge es nahelegen, werden wir zukünftig eigene Kongresse zum Thema Klimawandel und Gesundheit erleben. In den Praxis ist das Thema schon längst.

by kinderdok